Der 1990 gegründete Falkenberger Naturschutzverein „Elsteraue“ hat die Betreuung der Weißstörche stets besondere Bedeutung beigemessen. „Freund Adebar“, wie die Störche zuweilen genannt werden, hat sich uns Menschen angenähert. Er brütet in Dörfern und Städten, auf Hausdächern, Schornsteinen und aufgestellten Nisthilfen.

Keine andere Vogelart wird in ihren Beständen so genau beobachtet und erfasst, wie der Weißstorch. 1996 übernahm der Falkenberger Naturschutzverein „Elsteraue“ die Betreuung der Weißstörche im Altkreis Herzberg. Die Weißstorch-Bestände hatten sich in den Jahren von 1982 bis 2012 in unterschiedlichen Sprüngen deutlich erhöht. Im Jahr 2004 wurde mit 90 ausgeflogenen Jungstörchen aus 31 besetzten Horsten das bisherige Rekordergebnis registriert; 2015 waren es nur noch 58 Jungstörche aus 25 Horsten. Ein deutlicher Rückgang also.

Bei der Weißstorch-Betreuung ist es mit den jährlichen Bestandserfassungen nicht getan. Der Zustand der Horste muss beobachtet werden, die umliegenden Lebensräume ebenso. Ankunfts- und Abflugzeiten der Störche werden registriert. Dafür sind die jeweiligen, oft langjährig tätigen Horstbetreuer zuständig. Um sich bei ihnen zu bedanken und um deren Mitarbeit im Naturschutz zu würdigen, veranstaltet der Falkenberger Naturschutzverein aller drei Jahre einen „Tag der Weißstörche“.

Am letzten Maiwochenende 2016 ging in der urigen Räumlichkeit der Feldscheune des Naturschutzzentrums Kleinrössen der bereits 7. „Tag der Weißstörche“ über die Bühne. Mit 35 Teilnehmern war er sehr gut besucht. In einer locker geführten Gesprächs- und Diskussionsrunde wurden zahlreiche Themen bezüglich der Weißstörche dargestellt und erörtert.

Sabine Lehmann – seit 2015 Weißstorch-Betreuerin im Altkreis Herzberg – machte in ihrem Bericht darauf aufmerksam, dass die Bestände der Weißstörche rückläufig sind. Grund dafür sind unter anderem der Nahrungsmangel für die Störche in unseren zunehmend eintöniger werdenden Agrarlandschaften. Auch die in den letzten Jahren herrschenden Trockenperioden während der Jungenaufzucht spielen dabei eine Rolle. In diesem Jahr setzt sich diese Negativtendenz ganz offensichtlich fort. Verschiedene langjährig besetzte Horste sind ohne Brutpaare geblieben, so beispielsweise in Wehrhain, Bomsdorf, in der Falkenberger Querstraße und leider auch der Schornsteinhorst auf dem Schulhof der Astrid-Lindgren-Grundschule. Letzteres ist besonders bedauerlich, denn auf diesem Horst wurde im April eine sogenannte Webcam installiert. Der anwesende Falkenberger Bürgermeister Herold Quick sagte dazu, dass die Stadtverwaltung bei diesem Vorhaben sehr gern geholfen hat. Doch leider bleibt nach Zusammenrechnung aller Kosten ein beträchtlicher Minusbetrag übrig, über dessen Ausgleich nun nach Wegen gesucht wird.

Als besonderer Gast war Dr. Rainer Herrmann aus Neuruppin zum Tag der Weißstörche angereist. Der gebürtige Herzberger sammelt seit vielen Jahren systematisch die Rückmeldungen beringter Störche. In seinem Lichtbildervortrag wies er nach, dass die Rückkehrquote der heimgekehrten Brutvögel 2015 bei ca. 82 % lag. Da der Mittelwert bei etwa 90 % liegt, musste auch er zurückgehende Weißstorch-Bestände registrieren.

Dieter Lehmann